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Unsere Vereinschronik

1920 - 2020 100 Jahre Wertheimer Tennisverein

(von Karl-Heinz Hoppe und Dr. Helge Blanke)

2020 ist alles anders – besonders für den TSC Gelb-Blau Wertheim. Statt einer Medenrunde mit insgesamt zehn motivierten Mannschaften in den unterschiedlichen Ligen bleibt ein Jahr ohne Wettkampf. Statt eines vielfältig gestalteten Vereinslebens mit zum Beispiel Eröffnungsbrunch, Tempel- und Altstadtfest, bleibt aktuell nur die Vorgabe des badischen Hygienekonzepts: KommenSpielenGehen. Und statt der großen Feier zum 100jährigen Vereinsjubiläum am Samstag, dem 20. Juni 2020, bleibt nur die Hoffnung auf das nächste Jahr und ein großes Fest zum 101. Geburtstag. Das aber möchten die Verantwortlichen mit allen Mitgliedern groß feiern, gehört doch der Verein zu den sieben ältesten Tennisvereinen in Baden. Immerhin bemüht sich der Vorstand um ein Notkonzept für das aktuelle Jahr, will man doch nicht ganz ohne Geselligkeit bleiben.

 

Ein Blick zurück

Schon um 1910 gab es Tennisbegeisterte in Wertheim. Anfangs wurde der Schulhof der Mädchenschule in der Luisenstraße zum Tennisplatz umfunktioniert, was von den Aktiven beiderlei Geschlechts mit steigender Begeisterung aufgenommen wurde. Allerdings wurde nicht nur Tennis gespielt, sondern es kam schnell auch „zu eine(r) Art Flirt, der sich mit dem Ernste (der) Arbeit“ der pädagogischen Anstalt „durchaus nicht verträgt.“ Daher bat das Rektorat der Schule 1916 um eine „baldige Entfernung des Tennisplatzes vom Mädchenschulhofe“. Dieses unbillige Verhalten und der Streit um ausreichende Spielzeiten führten zum Zwist unter den Mitgliedern und schließlich zur Auflösung des Tennisclubs Ende des Jahre 1916.

Die Begeisterung für den Tennissport war damit aber längst nicht erloschen. Mit wohlwollender Unterstützung des Fürstenhauses, vertreten durch S.D. Fürst Ernst zu Löwenstein, entstand in dem harten Kern der Wertheimer Tennisfreunde die Idee, inmitten des fürstlichen Parks im Hofgarten einen Tennisplatz zu errichten, auf dem sportlich ausgerichtetes Tennis gespielt werden konnte. Initiatoren von damals waren Magda Aicher, die viele Jahre auch die gute Seele des Spielbetriebs blieb und für Spielgerät und Verköstigung der Tennisfreunde sorgte, ferner Benno Büdenbender, Astrid Lange-Dedekam, Karl Ziegler, Edmund Reichert u.a. Im Juni 1920 wurde der Verein gegründet und nannte sich Wertheimer Tennisgesellschaft. Anfangs waren es ca. 30 erwachsene Mitglieder und auch einige Jugendliche. Die Fertigstellung des Platzes inmitten des gepflegten Parks wurde 1921 in die Tat umgesetzt. Die Lage des Platzes wurde allseits bewundert. Sichtbares Zeichen einer fürstlichen Parkanlage war der Freundschaftstempel, dessen Unterräumlichkeiten als Lagerraum benutzt wurden, dann die Georgskapelle und natürlich der wunderbar angelegte Park, der zum Verweilen einlud.

 

Schnell entwickelte sich ein reger Spielbetrieb. Zu dieser Zeit wurde natürlich ausschließlich in züchtiger weißer Kleidung gespielt, d.h. die Damen trugen mindestens knielange Röcke und die Herren lange Hosen. Rote Asche für den Platz gab es noch nicht und die Linien wurden per Hand gezogen – es ging alles gut. Mit Nachbarvereinen wurden mehrtägige Vergleichsspiele inklusive diverser „humorvoller Groteskwettkämpfe“ ausgetragen, die immer zu einem großen gesellschaftlichen Ereignis mit eigens aufspielender Stadtkapelle wurden. Schon 1921 sei das Zuschauerinteresse derartig lebhaft gewesen, dass der Redakteur der Wertheimer Zeitung die fehlenden Sitzgelegenheiten für die zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauer beklagte. Dafür gab es aber reichlich „Kuchen, Eis, Bowle und Bier“. Insgesamt, so schließt der Artikel, sei das Tennissportfest der Wertheimer Tennisgesellschaft ein „Lichtblick im Wertheimer Vereinsleben“. Ein Clubhaus im heute verstandenen Sinne gab es allerdings noch nicht, lediglich ein kleiner Unterstand war vorhanden, der bei weitem nicht alle Erfordernisse erfüllte.

1935 dachte die immer größer werdende Tennisgesellschaft, die sich jetzt auch den Namen Tennisverein Wertheim gab, intensiv über eine Erweiterung der Spielmöglichkeiten nach. Im Park gab es dazu offensichtlich keine Chance. Eine Anfrage bei der Stadt nach einem neuen Gelände wurde nach zähen Verhandlungen des damaligen Vorsitzenden Egmont Grüttner nicht zuletzt mit dem Hinweis auf eine weitere Nutzung der Anlage als Rollschuhbahn im Herbst und als Eisbahn im Winter positiv beschieden. Schließlich konnte nach der letzten Kartoffelernte 1937 auf dem Gelände des Bauern Korsanke der maßgeblich in Eigenleistung erbaute Platz an der Unteren Leberklinge, schön an der Tauber gelegen, ein Jahr später eingeweiht werden. Doch der Kriegsbeginn 1939 und ein ungewöhnlich starkes Hochwasser 1942, das den neuen Platz komplett zerstörte, führten zu einer erneuten Verlagerung des weniger regen Spielbetriebs in den Hofgarten.

Nach Kriegsende fanden sich die Tennisfreunde nach und nach wieder im Hofgarten ein und der Spielbetrieb wurde wieder lebhafter, sodass sich erneut die Frage nach einem weiteren Platz stellte. Von der Stadt konnte am Rande des Parks ein Grundstück gepachtet werden, der so genannte Platz 1, der ab 1948 für den Spielbetrieb freigegeben wurde. Bereits zwei Jahre zuvor hatte der Tennisverein erneut seinen Namen, nun mit den Farben der Stadt, in Tennisclub Gelb-Blau Wertheim e.V. geändert. Von nun an ging es stetig bergauf. Das tennisfreundliche Ehepaar Terpoorten in der direkten Nachbarschaft stellte das Untergeschoss ihres Wohnhauses als Clubheim zur Verfügung und übernahm selbst den Verkauf von Getränken und kleineren Speisen. Das war der Start für ein sehr geselliges Vereinsleben.

In den 50er Jahren wurde nicht nur die Mode auf den Straßen zunehmend lockerer, auch auf dem Tennisplatz war die Farbe Weiß bald schon kein zwingendes Muss mehr. Der noch übliche Einsatz von Balljungen bot diesen gute Gelegenheiten, ihr Taschengeld aufzubessern, außerdem profitierten sie von den gebrauchten Bällen. In vielen Fällen war das der Einstieg in Tennissport, der nicht selten zunächst mit selbstgezimmerte Holzschlägern betrieben wurde. Diese aus heutiger Sicht etwas unkonventionelle Jugendarbeit zeigte Wirkung und der Verein wuchs schnell an. Bald schon stellte sich erneut die Frage nach einer Erweiterung. Der damalige Vorsitzende des Clubs, Dr. Hans Schey, nahm die Initiative in die Hand und ihm gelang es, das erforderliche Gelände von der Stadt und auch dem Fürstenhaus Löwenstein zu pachten. Dank tatkräftiger Unterstützung der seinerzeit in Wertheim stationierten US-Soldaten konnten zwei Plätze in weitgehender Eigenleistung im Jahre 1964 fertiggestellt werden. Der Verein verfügte nun über vier Plätze.

Mittelpunkt eines funktionierenden Vereinslebens ist üblicherweise ein Clubhaus. Im Jahre 1965 wurde daher unter dem neuen Vorsitzenden Wolfgang Schuller die Planung eines Gebäudes in die Wege geleitet, das bereits im Juli 1967 dank großen Engagements der Mitglieder eingeweiht werden konnte. In diese Zeit fiel auch der Beginn des Turniersports durch Meldung zunächst einer Mannschaft zu den Verbandsspielen. Die Wertheimer spielten sich in den Ligen schon bald nach oben. Sportliches Aushängeschild waren ohne Zweifel Karl Pollak, Larry Cooper und die Brüder Haas bei den Herren und Gisela Löser und Hildegard Müller-Rieger bei den Damen. Gerade Karl Pollak war zweifellos ein Naturtalent, das ohne jemals eine Trainerstunde genommen zu haben, schon drei Jahre nach Eintritt Clubmeister wurde. Und als der Wimbledon-Finalist von 1967, Wilhelm Bungert, zu Gast auf der Anlage war, wurde natürlich Karl Pollak als Gegner zu einer Showeinlage ausersehen.

1971 hatte der Club 215 Mitglieder, davon 37 Jugendliche. Mit einem eigenen Jugendtraining durch Rolf Mohr, Gerhard Kempf und andere ging es bei den Jugendlichen voran und erste Erfolge auf Bezirksebene stellten sich ein. Der ersten Herrenmannschaft gelang 1973 sogar der Aufstieg in die Verbandsliga. In diesem Jahr wurde schließlich auch der fünfte Platz in direkter Nachbarschaft zum fürstlichen Tempel in den Spielbetrieb genommen. Diese letzte Erweiterung verdankte der Verein nicht zuletzt dem großen Engagement des neuen Vorsitzenden und späteren Ehrenmitglieds und seit 1996 auch Ehrenvorsitzenden Werner Thomann, der insgesamt 25 Jahre die Vereinsgeschicke leitete. Seine nicht nachlassende Zähigkeit führte auch dank des Entgegenkommens des damaligen Bürgermeisters Karl Josef Scheuermann zu dem Erfolg, dass seit diesem Jahr der Tennisclub über 6300 qm eigenen Grund verfügt. Lediglich der Waldplatz ist immer noch gepachtet.

Zwei Naturereignisse machten 1978 und 1980 dem Hofgarten und auch dem Tennisclub schwer zu schaffen. Schwere Sturmböen, Gewitter und Regenmassen richteten 1978 großen Schaden an. Dank guter Sofortreaktion des damaligen Platzwartes und mehrerer Mitglieder konnte der reißende Wasserstrom weitgehend umgeleitet werden. Lediglich Platz 3 und 4 wurden unterspült und mussten in der Folgezeit aufwändig repariert werden. Und im Frühjahr 1980 tobte der Jahrhundertsturm Wiebke über den ganzen Südwesten Deutschlands. Bis auf mehrere beschädigte Platzumzäunungen kam der Verein jedoch recht glimpflich davon. Sportlich etablierten sich die Wertheimer Mannschaften in den 80er Jahren in den einzelnen Bezirksligen. Allein den Damen gelang mehrfach der Sprung in die Verbandsliga.

Spätestens seit den Sensationssiegen von Boris Becker und Steffi Graf Mitte der 80er Jahre setzte eine boomartige Entwicklung des Tennissports zum Breitensport ein, wobei der TC Gelb-Blau für sich in Anspruch nehmen kann, schon sehr frühzeitig für jedermann und insbesondere für die Jugend offen gewesen zu sein. Und als im Jahre 1995 der Tennisclub Gelb-Blau Wertheim e.V. sein 75jähriges Jubiläum beging, hatte der Verein zu diesem Zeitpunkt 353 Mitglieder, davon 62 Jugendliche.

Auch in den Folgejahren arbeiteten die verschiedenen Vereinsführungen unablässig an einer Konsolidierung und Stärkung des Vereins. Wichtige Investitionen wurden getätigt und Plätze (z.B. eine Berieselungsanlage) und das Clubhaus nach und nach erneuert bzw. modernisiert. Die Mitgliederzahlen pendelten sich bei knapp 400 Mitgliedern ein, davon im Jahre 2020 immerhin mehr als 80 Kinder und Jugendliche. Dies wurde nicht zuletzt durch ein sehr aktives Jugendteam um Susanne Eberhard, Martha Brüstle-Brunner und Uwe Schlör-Kempf erreicht, die mit dem Tennisförderkonzept „Tennismäuse“ immer wieder Kinder und Jugendliche für den Tennissport begeistern können (trotz Nachmittagsunterricht und anderem mehr). Und auch das seit langem durchgeführte Jugendturnier, dass seit einigen Jahren unter dem Namen Lenz-Junior-Cup junge Tennistalente aus dem ganzen Bundesgebiet nach Wertheim führt, hat seinen Teil dazu beigetragen.

Im Jahre 2012 trat der Ski Club Wertheim als Skiabteilung dem Verein bei, sodass eine nochmalige Namensänderung vonnöten war. Seitdem heißt der TSC Gelb-Blau Wertheim e.V. und bietet neben dem weißen Ballsport auch den weißen Wintersport in Form von Skigymnastik und gemeinsamen Ausfahrten.

Besondere Anerkennung erfuhren Mitglieder des Tennisclubs schließlich bei den seit dem Jahre 2000 alle drei Jahre stattfindenden Sportlerehrungen der Stadt Wertheim. So wurden 2009 die Mannschaft der Herren 65 und 2018 der gerade mal zehnjährige Henry Sommer für herausragende sportliche Leistungen ausgezeichnet. Natürlich hofft der Verein auf eine Fortführung dieser Liste.

Mit der Corona-Krise bleibt das Jahr 2020 ein Übergangsjahr der besonderen Art, richten sich doch alle Augen auf 2021 in der Hoffnung, dass dann wieder Wettkämpfe ausgetragen, Geselligkeiten gepflegt und vor allem das Jubelfeierlichkeiten begangen werden können.

 

Liste aller Vorsitzenden:

1920-1934 Magda Aicher

1935-1947 Egmont Grüttner

1948-1951 Gerhard Haase

1952-1953 Dr. Horst Bendler

1954-1960 Dr. Hans Schey

1961-1970 Wolfgang Schuller

1971-1996 Werner Thomann

1997-2004 Karl-Heinz Hoppe

Ab 2005 Gleichberechtigte Vorsitzende:

2005-2006 Manfred Preuß/ Dr. Thomas Sigel/ Hermann Terpoorten

2007-2008 Manfred Preuß/ Dr. Thomas Bruckner/ Hermann Terpoorten

2009-2012 Manfred Preuß/ Dr. Thomas Bruckner/ Dr. Philipp Zippe

2013-2015 Manfred Preuß/ Dr. Thomas Bruckner/ Yvonne Steudel

2016-2019 Manfred Preuß/ Yvonne Steudel

2019- Dr. Frank Merklein/ Thomas Grein/ Dr. Helge Blanke

 

 
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Unsere Chronik in Jahreszahlen


1921: erster Tennisplatz (heute Platz 5) wird gebaut.

1935: Umbenennung in Tennisverein Wertheim

1946: Umbenennung in TC Gelb-Blau Wertheim

1948: zweiter Tennisplatz (heute Platz 1) wird gebaut.

1964: dritter und vierter Tennisplatz (heute 3 und 4) werden gebaut.

1964: Bau des Clubheims wird geplant.

1964: Ehrung verdienter Mitglieder durch Verleihung der Bronzenen, Silbernen und Goldenen Clubnadel wird beschlossen.

1967: Bau des Clubheims wird beendet.

1973: fünfter Tennisplatz (heute Platz 2) wird gebaut.

1979: Platz 5 wird umgebaut, da er nicht den Turniervorschriften entspricht.

1995: 75 Jahre TC Gelb-Blau Wertheim
2010: 90 Jahre TC Gelb-Blau Wertheim
 
2012: Gründung einer Skiabteilung und Umbenennung in Tennis- und Skiclub Gelb-Blau Wertheim
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